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11.01.2018

Ein spektakuläres Jahr, getrübt durch Divergenzen

(c)


Den Medien zufolge steigen alle Aktien im Gleichschritt – getreu dem alten Sprichwort, dass die Flut alle Boote hebt. Doch wenn man ein wenig tiefer blickt, zeigt sich, dass es nicht ganz so ist: 2017 entwickelten sich Märkte durchaus unterschiedlich.

2017 war die Ertragsstreuung im S&P-500-Index bemerkenswert. Technologiewerte legten fast doppelt so stark zu wie der Gesamtindex. Bis zum 20. Dezember betrug ihr Gesamtertrag 41 Prozent, gegenüber 22 Prozent Indexertrag – ein bemerkenswerter Abstand. Der Sektorvergleich ist noch überraschender: Telekommunikations- und Energiewerte blieben um jeweils etwa 45 Prozent hinter Technologieaktien zurück (und um 25 Basispunkte hinter dem Index). Keineswegs hebt die Flut also alle Boote gleich stark, und einige Boote sind sogar etwas gesunken.

Auch früher gab es solche Unterschiede und im Energiesektor waren sie oft der Vorbote eines Ölpreisrückgangs. Das ging meist mit einem stärkeren US-Dollar und generell schwächeren Rohstoffpreisen einher, was wiederum den Gewinnen der S&P 500-Unternehmen schadete. Wir halten die schwache Entwicklung des Energiesektors im Jahr 2017 daher für ein Warnsignal für das neue Jahr.

Meine Steuerprognosen. Ich rechne mit folgenden Auswirkungen des gerade erst verabschiedeten Steuergesetzes: Die Neuregelungen werden unterschiedliche Auswirkungen auf verschiedene Arten von Large Caps haben. Eher binnenorientierte Firmen werden von einem deutlichen Rückgang der Effektivsteuersätze profitieren, sodass die operativen Gewinne ceteris paribus im zu Ende gegangenen Jahr um etwa 8 bis 10 Prozent höher ausfallen dürften. Der hochfliegende Technologiesektor mit seinen hohen Auslandsumsätzen zahlt effektiv aber nur durchschnittlich 19 bis 20 Prozent Steuern, also weniger als der neue gesetzliche Steuersatz von 21 Prozent. Der Sektor dürfte daher nicht so stark von der Neuregelung profitieren, wie einige Optimisten prognostizieren. Für hochverschuldete Unternehmen könnten die Neuregelungen nachteilig sein, da sie ihren Zinsaufwand nur noch bis zu maximal 30 Prozent ihres Cashflows von der Steuer absetzen können. Unternehmen mit hohem Forschungs- und Entwicklungsbudget, etwa Pharmafirmen und große Investitionsgüterhersteller, dürften unterdessen von der Möglichkeit zu Sofortabschreibungen kurzfristiger Investitionen profitieren. Alles in allem dürfte das Gesetz gut für große US-Unternehmen sein, auch wenn nicht alle in gleichem Maße von ihm profitieren. Hier erwarte ich Unterschiede.

Ich glaube, dass die Verabschiedung des Gesetzes nicht allen Aktien in gleicher Weise oder nachhaltig nützt. Aus meiner Sicht ist der Beschluss des Pakets kein Grund, wahllos alle möglichen Aktien zu kaufen. Der Teufel liegt im Detail, was genauere Analysen nötig macht. Ich glaube auch, dass nicht alle Länder in gleicher Weise von dem zurzeit ordentlichen Weltwirtschaftswachstum profitieren. Im Verborgenen gibt es dramatische Entwicklungen, die interessante Signale sein könnten. Möglicherweise wird das Wachstum in Zukunft nicht mehr so hoch sein wie zurzeit. Je stärker die Kurse steigen, desto größer ist das Risiko, dass Anleger zu sorglos werden, Fundamentaldaten und Bewertungen ignorieren – und dafür bestraft werden. Es wäre schließlich nicht das erste Mal, dass Anleger in eine solche Falle tappen. Umso mehr ist Vorsicht angesagt: Wer erwägt, wahllos in teure Vermögenswerte zu investieren, sollte sich dies genau überlegen.von James Swanson,
MFS Chief Investment Strategist



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